Retten Elektroautos das Weltklima?

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Können Elektroautos das Weltklima retten?


Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind die Lieblinge von Politik und Klimaschützern. Sie gelten als eine DER Maßnahmen zur Rettung des Weltklimas. Rettet unser aller Umstieg auf Elektroautos tatsächlich das Weltklima? Ein paar Gedankensplitter zum Nachdenken.

Vorab zur Klarstellung: Ich bin weder ausgewiesener Fan von Elektroautos, noch deren erbitterter Gegner. Viel mehr betrachte ich die mediale und politische Aufmerksamkeit, die Elektroautos aktuell genießen, möglichst objektiv und nicht durch die „rosarote“ bzw. „grüne“ Öko-Brille. Elektroautos können im urbanen Raum, zum Beispiel in Großstädten wie Wien, oder auf Kurzstrecken eine von vielen Maßnahmen zu mehr Klima- und Umweltschutz sein. Der komplette Umstieg von Autos mit Verbrennungsmotoren auf solche mit Elektroantrieb ist aber ebenso wenig Ziel führend wie realistisch.

Laut dem Europäischen Parlament ist der Verkehr für fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der EU verantwortlich. Davon entfallen 72 Prozent auf den Straßenverkehr und davon wiederum 60,7 Prozent auf den Personenverkehr. Durchgerechnet ergibt das für den straßenbezogenen Personenverkehr einen Anteil von 13,1 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen der EU1. Oder anders ausgedrückt: Für 86,9 Prozent der europäischen CO2-Emissionen sind nicht diesel- und benzingetriebene PKW verantwortlich.

An diesem eher bescheidenen Prozentsatz von 13,1 Prozent ist erkennbar, dass alleine der Umstieg auf Elektroautos das Klima nicht retten kann. Das Weltklima schon gar nicht. Elektroautos fahren zwar lokal emissionsfrei, doch irgendwo auf der Welt verursachen sie jedenfalls CO2-Emissionen und Umweltschäden. Zum Beispiel in Südamerika und Afrika (Lithium- bzw. Kobaltgewinnung) oder China und Asien (Batterieerzeugung).

Zu den Umweltschäden, die der Abbau der Batterierohstoffe verursacht, gesellen sich die prekären Arbeitsbedingungen für die Minenarbeiter dazu. Ehrlicher Weise kann hier erwähnt werden, dass auch die Rohölförderung vielfach unter diskussionswürdigen Umwelt- und Arbeitsbedingungen vonstattengeht.

Bei der Frage, wie viel CO2 ein Auto verursacht, müssen nicht nur die CO2-Emissionen während der Nutzung, sondern auch die bei Herstellung und Entsorgung verursachten Emissionen berücksichtigt werden.

Die Herstellung und Entsorgung eines Elektroautos ist weniger umweltfreundlich als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor.“, schreibt das Europäische Parlament auf seiner Internetseite. Ein Elektroauto verursacht – je nach Hersteller, Fahrzeugklasse, Speicherkapazität der Batterien usw. – bei der Herstellung einige tausend Tonnen CO2 mehr als ein diesel- oder benzingetriebenes Auto. Wesentlich verantwortlich dafür sind die Batterien. Elektroautos kommen deshalb mit einem viel größeren CO2-Rucksack auf die Welt als traditionelle PKW.

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Ob Elektroautos den herstellungsbedingten CO2-Rucksack gegenüber PKW mit traditionellem Antrieb über die Lebensdauer betrachtet kompensieren und am Ende eine bessere Klimabilanz aufweisen, hängt von vielen Bedingungen ab. Zum Beispiel von der Laufleistung und dem Energiemix, mit dem Elektroautos „betankt“ werden. „Da der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen in Zukunft noch steigen soll, werden Elektroautos noch umweltfreundlicher werden.“ gibt sich das EU-Parlament optimistisch.


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Je grüner der Strom ist, den Elektroautos verbrauchen, desto schneller verbessert sich ihre Öko- bzw. Klimabilanz. Bis die Batterien aber ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen geladen werden, werden noch viele Jahre vergehen (zur Gänze wird das aus physikalischen und technischen Gründen nie der Fall sein, Stichwort Flatterstrom, aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag). Bis dahin besteht unser europäischer Strommix zu wesentlichen Teilen auch aus Atomstrom und Strom aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Gas.

Lokal emissionsfreie Elektroautos verursachen global betrachtet erhebliche CO2-Emissionen. Die Retter des Weltklimas sind sie also nicht. Eher sind sie eine Übergangstechnologie für einzelne Verkehrssegmente (Personenverkehr) und Ballungsräume (zum Beispiel Großstädte)2. Neue Technologien, wie beispielsweise der Wasserstoffantrieb oder Biokraftstoffe, könnten die E-Mobilität in Zukunft ablösen oder zumindest ergänzen. Dafür ist aber noch viel Entwicklungsarbeit notwendig.

Für Diskussionsstoff werden Elektroautos jedenfalls weiterhin sorgen. Auch hier werden wir uns in weiteren Beiträgen mit ihnen beschäftigen und Fakten beleuchten.


1 Diese Zahlen stammen laut der Internetseite des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2016. Auch gegen Ende des Jahres 2021 sind augenscheinlich keine aktuelleren Zahlen verfügbar.

2 Weder für die Elektrifizierung von LKWs über 16 Tonnen Eigengewicht (198.352 Neuzulassungen in der EU nur im Jahr 2020, ein – wohl auch COVID-19-bedingter – Rückgang von 27,3 Prozent im Vergleich zu 2019) und Omnibussen über 3,5 Tonnen (29.147 Neuzulassungen in 2020, ein Rückgang im Vergleich zu 2019 um 20,3 Prozent), noch für landwirtschaftliche Maschinen, wie Traktoren und Mähdrescher, und schwere Baumaschinen gibt es derzeit praktikable Lösungen. Für militärische Transportmittel, von Truppentransportern bis Kampfpanzer, schon gar nicht.

Quellen:

Europäisches Parlament, www.europarl.europa.eu, „CO2-Emissionen von Autos: Zahlen und Fakten (Infografik)“, abgerufen am 4. Oktober 2021

Fit for 55, Proposal for a Regulation oft the European Parlament and oft he Council amending Regulation (EU) 2019/631 as regards strengthening the CO2 emission performance standards for new passenger cars and new light commercial vehicles in line with the Union’s increased climate ambition vom 14. Juli 2021