Wie hoch ist der Flächenverbrauch Österreichs

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Welche umwelt- und klimaschädlichen Folgen haben versiegelte Flächen?


Österreich liegt beim Flächenverbrauch im europäischen Spitzenfeld. Alle zehn Jahre wird eine Fläche so groß wie Wien, also 414 Quadratkilometer, versiegelt. „Österreichs verbaute Fläche wächst dreimal schneller als seine Bevölkerung.“, schreibt die Tageszeitung Der Standard am 3. Juni 2021.

Natürlich ist dafür nicht nur der private Wohnbedarf verantwortlich. Industrie- und Gewerbeanlagen werden erweitert, Umfahrungsstraßen und Radwege werden gebaut, Bau-, Möbel- und Supermarktketten eröffnen neue Filialen. Aber auch immer mehr Städter zieht es aufs Land bzw. in die Speckgürtel der Städte.

Verlust naturbelassener Flächen

Für Wohnsiedlungen, Verkehrs- und Gewerbeflächen (die auch direkte Folge von neuen Wohnsiedlungen im Grünen sind) versiegeln wir immer mehr Boden. Dazu kommt Flächenverbrauch für Mülldeponien, Kraftwerke und Kläranlagen. Auch der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel wie der Bahn beansprucht Flächen.

So geht wertvoller biologisch nutzbarer Boden dauerhaft verloren. Fruchtbarer Boden, der dann weder für die landwirtschaftliche Nutzung – also das Erzeugen unserer Nahrungsmittel – noch als Erholungsgebiet zur Verfügung steht.

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Abgesehen davon, dass Reihenhaussiedlungen am Stadt- oder Ortsrand weniger ansehnlich sind als blühende Wiesen, dichte Wälder und kurz vor der Ernte stehende Felder, führen versiegelte Flächen zu weiteren schwerwiegenden Folgen, zum Beispiel:

  • Erhöhtes Hochwasserrisiko: Ein Hektar unversiegelter Boden kann bis zu 2.000 Kubikmeter Wasser speichern. Der durch riesige Parkplatzflächen, zum Beispiel von Bau- und Supermärkten, versiegelte Boden kann das nicht mehr. Starkregen führt viel schneller zu Überschwemmungen.
  • Reduzierte Filterwirkung: Boden, der kein Wasser mehr aufnehmen kann, filtert keine Schadstoffe mehr aus dem Wasser filtern. Kanalsysteme und Kläranlagen mögen die fehlende Filterwirkung kompensieren, das erhöhte Hochwasserrisiko hingegen bleibt.
  • Verminderte Staubbindung: Unversiegelte Böden binden Staubpartikel. Dieser Effekt liefert gerade in Städten und ohnehin bereits dicht verbauten Gebieten mit hoher Staubbelastung einen positiven Beitrag zur Luftqualität.
  • Anstieg von Hitzetagen: Versiegelter Boden heizt sich durch Sonneneinstrahlung besonders stark auf, verdunstendes Wasser bzw. Feuchtigkeit kann der Erhitzung nicht entgegenwirken. Davon kann ich als Bewohner der Wiener Innenstadt ein Lied singen. Die zunehmende Hitze führt beispielsweise dazu, dass auf den Wiener Einkaufsstraßen wie der Mariahilferstraße hitzeresistente Bäume gepflanzt werden (müssen). Wie etwa der Lederhülsenbaum (Gleditschie), der seinen Ursprung in Nord- und Südamerika, Asien und Afrika hat.
  • Weniger Biodiversität: Je mehr Flächen versiegelt werden, desto mehr leidet die biologische Vielfalt.

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Im Regierungsprogramm 2020 – 2024 nimmt sich die türkis-grüne Bundesregierung die Reduktion versiegelter Flächen vor. Im Rahme einer österreichweiten Bodenschutzstrategie für sparsameren Flächenverbrauch besteht das Ziel darin, bis 2030 den Flächenverbrauch auf netto 2,5 Hektar pro Tag zu reduzieren. Ein sehr ambitioniertes Ziel, denn derzeit sind es 12 Hektar pro Tag.

Dieses Ziel wird sich wohl nicht ohne Widerstand der regionalen Ortskaiser, sprich Bürgermeister, umsetzen lassen, die in Österreich über die Flächenwidmung entscheiden. Macht abgeben ist keine bekannte Eigenschaft des österreichischen Föderalismus.


Update 17.10.2021

Der WWF hat einen aktuellen Report veröffentlicht, der den enormen Flächenfraß der österreichischen Bundesländer zeigt. „Mit einem Bodenverbrauch von durchschnittlich 11,5 Hektar pro Tag (Anmerkung: das entspricht 115.000 Quadratmetern oder etwa 16 Fußballfeldern) verbaut Österreich mehr als das Vierfache des Nachhaltigkeitsziels des Bundes.“, schreibt der WWF.

Den WWF-Report zum Flächenfraß können Sie hier nachlesen …


Quellen:

Der Standard, www.derstandard.at, „Flächenverbrauch: Ein Land verliert den Boden, angerufen am 8. Oktober 2021

Umweltbundesamt, www.umweltbundesamt.at, „Flächeninanspruchnahme“, abgerufen am 8. Oktober 2021

Wiener Zeitung, www.wienerzeitung.at, „Das harte Leben auf der Straße“, abgerufen am 8. Oktober 2021

Wikipedia, www.wikipedia.org, „Gleditschien“, abgerufen am 8. Oktober 2021

Regierungsprogramm 2020 – 2024, www.dieneuevolkspartei.at, „Aus Verantwortung für Österreich“, abgerufen am 8. Oktober 2021

Der Standard, www.derstandard.at, „Österreich: Versiegelt und zugebaut“, abgerufen am 8. Oktober 2021

WWF Österreich, www.wwf.at, „Neuer WWF-Report zeigt enormen Flächenfraß der Bundesländer“, abgerufen am 17. Oktober 2021