Was kostet uns die Klimawende?

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Greenflation: Wie teuer wird die Klimawende?


Die Maßnahmen zur Klima- und Energiewende werden teuer. Sehr teuer. Darüber besteht in Politik sowie unter Experten kein Zweifel. Die EU klimaneutral zu machen, erfordert massive Investitionen. Um die Emissionsreduktionsziele bis 2030 zu erreichen, sind nach Schätzungen der Europäischen Kommission 260 Milliarden Euro an zusätzlichen jährlichen Investitionen notwendig (diese Summe basiert noch auf dem alten Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2030, mittlerweile hat sich die EU auf 55 Prozent bis 2030 geeinigt).

Greenflation ist bereits zu spüren

Die Wortkreation „Greenflation“ setzt sich zusammen aus „Green“ und „Inflation“. Gemeint ist damit eine von den Kosten der Klima- und Energiewende ausgelöste und befeuerte Inflation, also eine „grüne“ Inflation.

Eine Analyse der Wirtschaftskammer Österreich nennt Beispiel, warum Preise durch Klimaschutzmaßnahmen bereits spürbar steigen:

  • Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen auf die Energiepreise: Zwar bieten CO2-Preise einen Anreiz zur Dekarbonisierung von Stromerzeugung und Industrieproduktion, führt jedoch auch zu höheren Energiepreisen, die wiederum an die Verbraucher weitergegeben werden.
  • Einstieg in CO2-Bepreisung bedeutet leichten Anstieg der Inflation: Auch die Österreichische Nationalbank kommt zu dem Schluss, dass der CO2-Preis in Österreich für 2022 rund +0,15 Prozentpunkte zur durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate hinzufügen wird.
  • Energiewende bringt höhere Kosten: Der Europäischen Kommission fehlte eine einheitliche Strategie, wie man die Versorgungssicherheit der EU mit Energie in der Übergangsphase sicherstellt. Wie sich gerade angesichts der Ukraine-Krise zeigt, wurde versäumt, die Erdgasversorgung ausreichend von Russland weg zu diversifizieren.
  • Aufholbedarf an Investitionen zum Erreichen der ambitionierten Klimaziele: Unternehmen müssen für den Strukturwandel investieren. Produkte dürften daher teurer werden. Für den Bau von Solarpaneelen und Windrädern benötigte Metalle wie Kupfer und Aluminium sind in den letzten Monaten stark im Preis gestiegen und könnten sich durch eine rasch steigende Nachfrage weiter verteuern.

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Kein Klimaschutz ist auch teuer

Unbestritten ist, dass auch das Unterlassen von Klimaschutzmaßnahmen mittel- bis langfristig Folgen für die Inflation hätte. Häufigere Extremwetterereignisse, wie zum Beispiel Hitzeperioden, Dürren und Überschwemmungen, könnten beispielsweise Preisschwankungen in der Nahrungsmittelproduktion auslösen, die Arbeitsproduktivität senken oder Schäden an der Infrastruktur bewirken und so die globalen Transportwege behindern.

So oder so werden die Kosten letztendlich bei den Konsumenten ankommen bzw. sind bereits bei ihnen angekommen.

Kann Greenflation noch geleugnet werden?

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank EZB, Christine Lagarde, hält die Gefahr eines zusätzlichen Preisschubs durch die Energiewende für gering. „Die ganze Debatte über Greenflation halte ich für übertrieben“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland im Februar 2022. Und weiters: „Die aktuellen Auswirkungen der Dekarbonisierung auf die Preise sind minimal, und zwar egal, ob wir über Emissionshandel oder Sondersteuern reden.“

Dieselbe Dame musste allerdings bei einer Online-Veranstaltung des Weltwirtschaftsforums in Davos im Januar 2022 einräumen, dass die Europäische Zentralbank die Inflation in der Vergangenheit grob unterschätzt hat.

Für einen Mythos und irreführend hält Greenpeace Deutschland die grüne Inflation. Ein Volkswirt und Finanzexperte von erklärt Ende Januar 2022 in einem Interview, warum das Gegenteil der Fall ist, warum fossile und nicht erneuerbare Energien die aktuelle Inflation antreiben und wie die Energiewende für stabile Preise sorgen kann.

Der Volkswirt sieht eher drei anderen Gründe für die Inflation als entscheidend an: 1. Corona, 2. Corona (sic!), 3. der Anstieg der Preise für fossile Energieträger. Seiner Ansicht nach tragen die Abgaben zum Klimaschutz einen vergleichsweise geringen Teil zur jetzigen Inflationsrate bei.

Teuer wird die Klimawende auf jeden Fall, mit oder ohne Maßnahmen zum Klimaschutz. Dass die Inflation massiv steigt (auch schon vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges) ist unbestreitbar, weil sie an der Kasse an der Tankstelle, im Supermarkt, im Baumarkt usw. bereits deutlich spürbar ist. Ob sie in absehbarer Zeit auf das Wunschniveau der EZB (um die 2 Prozent p.a.) zurückkehrt, wird sich zeigen. Die (schwache) Hoffnung lebt.


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Quellen:

Europäisches Parlament, www.europarl.europa.eu, “ Klimaschutz: Europas Eine-Billion-Euro-Plan“, abgerufen am 17. April 2022

EURACTIV, www.euractiv.de, „Lagarde hält Debatte um „Greenflation“ für übertrieben“, abgerufen am 17. April 2022

Frankfurter Allgemeine, www.faz.net, „Lagarde: Wir haben die Inflation unterschützt“, abgerufen am 17. April 2022

Wirtschaftskammer Österreich, Wirtschafts- und Handelspolitik, „GREENFLATION: Ein unterschätztes Risiko für die Geld- und Klimapolitik?“ vom 2. April 2022

Greenpeace e. V., www.greenpeace.de, „Mythos grüne Inflation – Abhängigkeit von Öl und Gas treibt die Preise“, abgerufen am 17. April 2022

Tageszeitung DerStandard, www.derstandard.at, „Das Preisschild der Klimawende“, abgerufen am 17. April 2022