Wasserkraft vs. Atomkraft

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Wasserkraft versus Atomkraft:
Was ist grüner oder nachhaltiger?


Stabilität ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für das störungsfreie europäische Stromnetz. So lange es keine wirtschaftlich sinnvollen Speicherlösungen gibt, können Wind- und Solarstrom nicht für die erforderliche Netzstabilität sorgen. Wenn wir auf fossilie Energieträger, wie Gas und Kohle, verzichten wollen, muss es andere Energiequellen geben, die für Stabilität der Stromnetze sorgen, beispielsweise Wasser- oder Atomkraft. Wie „grün“ sind diese Energiequellen im Vergleich?

Österreich erzeugt knapp 60 Prozent seines Stromes aus Wasserkraft, nämlich 42,1 Prozent aus Laufkraftwerken, 15,8 Prozent aus Speicherkraftwerken. Ein fertiges Atomkraftwerk haben wir, aber das haben wir nach einer Volksabstimmung im November 1978 nie in Betrieb genommen. Frankreich wiederum setzt bei der Stromerzeugung zu gut 70 Prozent auf Atomkraft. Logisch, dass jede Seite ihre jeweils wichtigste Form der Stromerzeugung als nachhaltig und klimafreundlich ansieht. Wie so oft hat die Medaille aber zwei Seiten.


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Wasserkraft ruiniert Ökosysteme

„Die andere Seite von Österreichs Wasserkraft: Millionen Fische sterben“ titelte DIE PRESSE Ende Juni. 200 Millionen Fische verenden jedes Jahr durch den Schwall-Betrieb von Wasserkraftwerken, schätzt Zacharias Schähle, Leiter der Landesgeschäftsstelle des Tiroler Fischereiverbandes, in diesem Artikel.

Die Älteren unter uns erinnern sich auch an die Besetzung der Hainburger Au östlich von Wien. Zum Jahreswechsel 1982/1983 machten Umweltaktivisten auf die Zerstörung der naturbelassenen Flusslandschaft an der Donau durch ein dort geplantes Wasserkraftwerk aufmerksam. Für Flusslandschaften sind Wasserkraftwerke also problematisch. Das ist die andere Seite der nachhaltigen Energieerzeugung.


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Atomkraft hinterlässt strahlenden Abfall

„Atomenergie ist arm an Treibhausgas-Emissionen, aber reich an Strahlung.“, schreibt DER STANDARD Ende Oktober. Auch nach Jahrzehnten der atomaren Stromerzeugung gibt es für Atommüll nur Zwischenlager, aber kein Endlager (das für eine Lagerzeit von 1.000.000 Jahren ausgelegt sein müsste). Neuere Reaktortypen sollen Atommüll quasi wiederverwerten, indem sie ihn als Energiequelle nutzen. Eine spannende Innovation, die es aber noch zu beobachten gilt bevor sie groß zum Einsatz kommen kann.

Dazu kommt die Gefahr von Reaktorunfällen und Anschlägen, die weitreichende Folgen für uns Manschen haben können, siehe Tschernobyl und Fokushima. Immer öfter wird auch vorgebracht, dass die Stromerzeugung aus Atomkraft ohne staatliche Unterstützungen nicht wirtschaftlich ist. Als Beleg dient der Hinweis, dass kein einziges Atomkraftwerk rein privatwirtschaftlich geplant, gebaut und betrieben wird. Atomkraft scheint also nicht die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Lösung zu sein.

Die Realität ist ein Kompromiss

Objektiv betrachtet hat keine Form der Energieerzeugung (auch nicht Wind- und Solarkraft) nur Vorteile bzw. gar keine negativen Auswirkungen auf Klima, Umwelt, Ökosysteme und Tierwelt. Wenn sich Frankreich auf europäischer Ebene durchsetzt, dann wird Atomstrom gemäß den EU-Kriterien sogar als nachhaltig gelten, trotz dem ungelösten Problem mit dem Atommüll. Österreich wird, dank seiner Topologie, weiterhin verstärkt auf grüne Wasserkraft setzen, und dafür den einen oder anderen Flecken Natur opfern.

Der wirksamste Lösungsansatz für dieses Dilemma – weltweit drastisch weniger Strom zu verbrauchen – ist nicht realistisch. Also werden wir, wie so oft im Leben, bei den umwelt- und klimarelevanten Aspekten der Stromerzeugung einen Kompromiss machen müssen. Und weiterhin aktive Diskussionen über das Für und Wider führen.


Quellen:

Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, „Energie in Österreich: Zahlen, Daten, Fakten 2020“

Statista GmbH, de.statista.com, „Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung in Frankreich in den Jahren 2000 bis 2020“, abgerufen am 1. November 2021

Tageszeitung Die Presse, www.diepresse.com, „Die andere Seite von Österreichs Wasserkraft: Millionen Fische sterben“, abgerufen am 1. November 2021

Tageszeitung Der Standard, www.derstandard.at, „Was für Atomkraft im Kampf gegen den Klimawandel spricht – und die Argumente dagegen“, abgerufen am 1. November 2021